Mühlacker
(bm). "Wie schaffen wir es, dass diejenigen, die in der Wirtschaft Verantwortung
haben, ihr Gespür für ethische und moralische Fragen, die sie neben dem Gewinnstreben zu
beachten haben, nicht verlieren?" war die Hauptfrage für Ute Vogt, MdB, bei einem
Streitgespräch der Friedrich-Ebert-Stiftung zum Thema "Moral und Ethik in der
Wirtschaft" am Freitagabend in der Villa Bauer in
Neben Ute Vogt
diskutierten auf dem Podium Brigitte Wetzel-Händle (Herausgeberin
Über die
moralische Zwickmühle, in der sie als Frau und Unternehmerin stecke, berichtete Brigitte Wetzel-Händle, am Beispiel
ihrer teilzeitbeschäftigten Frauen. Alle wollen vormittags arbeiten, um nachmittags für
die Kinder da zu sein und alle erwarteten Verständnis von ihr als Frau und Mutter. Aber
als Geschäftsfrau müsse sie dafür sorgen, dass der Betrieb auch nachmittags
funktioniert.
Till Casper
berichtete von der Caux-Round-Table-Vereinigung, in der sich weltweit Unternehmen
zusammengetan haben, die bestrebt sind, korruptionsfrei zu wirtschaften. Die Industrie-
und Handelskammer Nordschwarzwald habe sich mit dem Thema Ethik und Moral in der
Wirtschaft befasst und drei Erkenntnisse gewonnen: Die Marktwirtschaft sei systemimmanent
moralisch, der betriebsinterne Erfolg werde durch korruptes Handeln beeinträchtigt, weil
man sich dadurch von anderen abhängig mache, und der beste Garant gegen eine Korruption
sei der Mittelstand, weil ein Mittelständler kein Interesse an Korruption habe.
"Marktwirtschaft
gibt es nicht im luftleeren Raum", zweifelte Olaf Schumann an der Systemimmanenz.
Denn Marktwirtschaft könne sich nur in dem Ordnungsrahmen bewegen, der von der Politik
gestaltet werden muss. Worauf Casper kritisierte, dass der Ordnungsrahmen schon lange
nicht mehr stimme. "Unternehmen werden dadurch gezwungen, manchmal Wege zu gehen, die
moralisch zweifelhaft sind."
Aus dem
Publikum kam der Hinweis, dass angesichts der Globalisierung die, nationale Politik gar
nicht mehr in der Lage sei, einen Ordnungsrahmen zu setzen. Im Bereich der Steuerpolitik
gegenüber internationalen Konzernen stimmte Ute Vogt dem zu, erinnerte zugleich aber auch
an die Einführung der Katalysatorpflicht und die Ökosteuer, als Beispiel, dass die
Erforschung und Nachfrage nach umweltfreundlicheren Technologien erst durch politischen
Zwang einen Aufschwung erlebt habe.
In
öffentlichen Diskussionen zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Interessengruppen
werden konträre Positionen gegenüber gestellt, häufig überspitzt. Die Politik sei dann
gefordert, einen Kompromiss zu finden und am
Einig war das
Podium mit dem Publikum darin, dass die Wertebildung bei der Erziehung vom Elternhaus
über die Schule bis zum Studium eine größere Rolle spielen müsse und dass der Frage
von Vorbildern eine entscheidende Rolle zukomme.

ALS
VERTRETER VON WIRTSCHAFT, WISSENSCHAFT UND POLITIK diskutierten Till Casper, Brigitte
Wetzel-Händle, Elmar Haug, Friedrich-Ebert-Stiftung (Moderator), Ute Vogt und Olaf
Schumann (von links) in Mühlacker.
Foto: Ehmann